Googles BERT-Update – erkennt Sprache besser

Am 25. Oktober 2019 veröffentlichte Google die Nachricht über ein neu ausgerolltes Update des Such-Algorithmus. Der Updatename BERT steht für Bidirectional Encoder Representations from Transformers und stellt laut Google „the biggest leap forward in the past five years, and one of the biggest leaps forward in the history of Search” dar. Doch was macht dieses neue Update so besonders und welche Auswirkungen kann es auf die Rankings der Seiten haben?

Warum ist BERT so wichtig?

BERT zielt speziell auf NLP (natural language processing) ab und ergänzt das bereits ausgespielte System RankBrain. Es soll laut Google 10 Prozent aller (englischsprachigen) Suchanfragen1 betreffen – und spielt somit für viele Webseiten eine essenzielle Rolle.

Was genau ist RankBrain?

Bei RankBrain handelt es sich um ein Update, welches seit 2015 den Google-Algorithmus unterstützt. Zusätzlich stellt es den drittwichtigsten Rankingfaktor bei Google dar. Seitdem können komplexere und mehrdeutige Suchanfragen der User erkannt und entsprechende Ergebnisse geliefert werden. Des Weiteren nimmt Google Dialoge, Wortschöpfungen und Umgangssprache besser wahr und verarbeitet sie individueller als zuvor.2

Das neue Update BERT optimiert Googles Verständnis von komplexen Suchanfragen der User. Da sich das Suchverhalten der Nutzer in den letzten Jahren stark verändert hat, musste das Unternehmen darauf reagieren. Google gab dazu bekannt: „ We see billions of searches every day, and 15 percent of those queries are ones we haven’t seen before – so we’ve built ways to return results for queries we can’t anticipate.“1

Während früher häufig nur generische „1-Wort-Keywords“ (short-head Keywords) gesucht wurden, landen heutzutage immer öfter sogenannte long-tail Suchanfragen im Eingabefeld – also mehrere zusammenhängende Wörter. Zum einen bedingt sich diese Entwicklung durch die Funktion der Voice Search, zum anderen geben die Menschen vermehrt ganze Sätze und spezifische Fragen ein, die der realen Sprache und Kommunikation entsprechen. User suchen gezielter und wollen schneller zur passenden Antwort gelangen. Um den neuen Herausforderungen auch technisch gerecht zu werden und dem Suchenden möglichst genaue Ergebnisse zu liefern, gibt es nun also BERT.

Verbesserungen der bisherigen Such-Ergebnisse

Vorerst betrifft BERT nur die englischsprachigen Seiten. Doch das Update soll zukünftig noch in weiteren Ländern und für andere Sprachen, darunter auch Deutsch, getestet und ausgerollt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, das Sprachverständnis des Google-Algorithmus zu verbessern und den richtigen Kontext der Suche erfassen. Bis zu dieser Online-Nachrüstung wurden (und werden) einzelne Keywords und wichtige Füllwörter, beispielsweise Präpositionen, oft nicht beachtet. Dadurch hat Google mitunter falsche oder sogar entgegengesetzte Antworten gegeben.

Beispiel 1 – ohne BERT:

Geben Sie aktuell in das Suchfeld „Hausmittel gegen Sodbrennen ohne Milch“ ein, dann erscheint folgendes Ergebnis:

Screenshot der Suchanfrage „Hausmittel gegen Sodbrennen ohne Milch“.

Auf den ersten Blick ist klar: Ohne BERT tut Google sich mit dieser Anfrage schwer. Es werden Treffer angezeigt, die Milch als Hausmittel gegen Sodbrennen aufführen – obwohl der User genau das nicht möchte. Hierbei handelt es sich klar um ein entgegengesetztes Ergebnis, denn bislang erkennt Google das Wort „ohne“ nicht. Um genau solche Snippets in die Vergangenheit zu verbannen, hat das Unternehmen BERT entwickelt.

Beispiel 2 – mit BERT:

In unserem zweiten Beispiel hat Google selbst den Vergleich gezogen. Wie behandelt die Suchmaschine Anfragen vor und nach dem Update? Konkret geht es im Beispiel um die Frage, ob Rezepte stellvertretend für einen Bekannten oder ein Familienmitglied in der Apotheke eingelöst werden können.1

Vorher-Nachher-Vergleich: Eine Suchanfrage zum Einlösen von Rezepten für Bekannte – vor und nach BERT.

Daran sind die Unterschiede deutlich zu erkennen. Während früher noch eine Erklärung ausgespielt wurde, wie ein Rezept generell einzulösen ist, kann Google die Suchanfrage heute richtig interpretieren – dank BERT. Die Ergebnisse liefern dem User nun genau die Antwort, die er sucht.

BERT: Weltweite Auswirkung auf Featured Snippets?

Im englischsprachigen Raum funktioniert BERT also bereits, in Deutschland soll das Update offiziell erst zu späterer Zeit wirken. Doch wie sieht es bei den Featured Snippets aus? Diese tauchen über den organischen Suchergebnissen bei der Google-Suche auf Platz 0 auf. Hartnäckigen Gerüchten zufolge wirkt BERT im Bereich der Featured Snippets schon in zwei Dutzend Ländern1, darunter auch in Deutschland. Wir selbst konnten diese Entwicklung bislang noch nicht nachvollziehen – über den aktuellen Stand halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Auswirkungen auf Rankings: Was ist zu tun?

Bisher sind die Auswirkungen in Deutschland zwar noch nicht relevant; trotzdem lohnt es sich, sich schon einmal darauf einzustellen und die SEO-Arbeit zu überdenken. Direkte Optimierungen der SEO-Kampagnen, maßgetreu auf das BERT-Update abgestimmt, sind nicht effektiv, da es Google vorwiegend darum geht, die natürliche Sprache der Suchanfragen besser zu verstehen. Außerdem ist es nicht zu empfehlen, die eigene Webseite vollends auf jedwede mögliche Kombination von long-tail-Suchanfragen hin zu optimieren. Das würde ins Unendliche führen und nur geringen zusätzlichen Traffic einbringen. Was also tun, um sich auf BERT vorzubereiten?

Tipps zur Webseiten-Optimierung

Nichtsdestotrotz kann es von Vorteil sein, den Content der Webseite an die Suchintention der User anzupassen. Dafür sollten der Themenfokus und die Struktur für die Suchenden klar erkennbar sein. Außerdem bietet es sich an, die Texte möglichst natürlich zu schreiben – angepasst an die menschliche Sprechweise – und die Sätze simpel zu halten, ohne komplizierte Schachtelsätze. Denn trotz der Verbesserungen durch BERT wird der Algorithmus auch weiterhin nicht perfekt sein.

Zudem stellt die sonstige SEO-Arbeit nach wie vor einen essenziellen Punkt für die gute Auffindbarkeit bei Google und somit die Rankings dar. Die Verschmelzung von SEO- und Content-Maßnahmen ist mit Blick auf BERT lediglich wichtiger denn je geworden.

Zwischenfazit: Nur durch guten Content und eine optimale SEO-Arbeit erreicht man eine hohe Rankingrate bei Google.

Bisherige Auswirkungen von BERT

Zu klären bleibt noch, welche Veränderungen BERT bis jetzt schon nach sich zieht. Bei den SERPs (Search Engine Result Pages; Suchergebnisseiten) lässt sich – wie üblich bei jedem neuen Google-Update – eine stärkere Dynamik erkennen. Dennoch besteht durchaus die Möglichkeit, dass es in der näheren Zukunft keine größeren Einflüsse auf die mit gängigen SEO-Tools gemessenen Rankings geben wird. Diese Werkzeuge nehmen zwar zunehmend auch long-tail Keywords in ihre Datenbanken und in ihr Tracking auf. Dennoch kann natürlich nicht jede Kombination aus zusammengesetzten Suchanfragen durch das Tool-Tracking abgedeckt werden.

Es bleibt daher abzuwarten, inwiefern sich (signifikante) Auswirkungen bei den Monitorings ergeben werden. Um mögliche Auswirkungen trotzdem zu analysieren, können Interessierte gezielt nach long-tail-Keywords suchen und somit eventuell auftretende Veränderungen des Rankings beobachten.

Wir bleiben für Sie an dem Thema dran und informieren Sie, sobald es weitere Neuigkeiten zum BERT-Update gibt.



1Google-Blog: Understanding searches better than ever before. URL: https://www.blog.google/products/search/search-language-understanding-bert/ (6.11.2019).
2Searchmetrics-Blog: Google BERT Update: Alle Infos & Analysen. URL: https://blog.searchmetrics.com/de/google-bert-update/ (6.11.2019).